| Durch kreatives Intervenieren zum Sis Kebab Renate Fischer BASYS Lfd. Nr. 26, Heft 1/2009 |
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| Mittagspause in einem türkischen Lokal. Walter und ich bestellen „Sis Kebab“, Lammspieß. Die junge Kellnerin nickt. „Aber bitte einmal mit Pommes frites anstatt mit Reis.“ Seltsamer Weise scheint das die Kellnerin zu verwirren. „Einmal Pommes frites?“ Sie klingt zögerlich. „Ja!“, nicken wir bekräftigend, „und die andere Portion mit Reis, bitte.“ Jetzt wirkt sie wieder erleichtert und fasst mit fester Stimme zusammen: „Einmal Pommes frites, einmal Reis!“ „Ja. Und dazu, wie gesagt: Lammspieß!“ „Lammspieß???“ Ratlosigkeit macht sich in ihrem Gesicht breit. Und ich frage mich insgeheim, seit wann es so schwierig ist, in diesem türkischen Lokal Lammspieß mit Pommes bzw. Reis zu bestellen. Zugegeben, ich war schon länger nicht mehr hier. Aber im letzten Jahr hatten ähnliche Bestellungen noch reibungslos geklappt. Bevor ich jedoch weiter über die Ursachen dieses eigenartigen Verhaltens der Kellnerin grübeln kann, hat sie sich wieder gefasst und nimmt die Getränkebestellung auf. „Zu trinken?“ „Zweimal Obi gespritzt bitte!“ Aufmerksame Leser können anhand dieser Bestellung bereits erkennen: Walter und ich schwingen heute auf der gleichen Wellenlänge: zweimal Obi gespritzt, zweimal Lammspieß. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Es ist der zweite Tag des Seminars „kreatives Intervenieren“ und wir sind – erstmals - gemeinsam als Trainer und Co-Trainerin tätig. Einigkeit ist da eindeutig von Vorteil. Und tatsächlich klappte heute Vormittag auch alles ganz wunderbar. Wir sind äußerst zufrieden mit uns. Liegt das Geheimnis unseres guten Zusammenspiels vielleicht gar in der gemeinsamen Vorliebe für Sis Kebab und Obi gespritzt? Apropos Obi – auch mit dieser Bestellung scheint es Probleme zu geben. „Obüy wie??!!!“, fragt die Kellnerin nun nämlich ganz verzweifelt. Unser wunderbares Zusammenspiel scheint sie nicht zu beeindrucken. Was hat sie denn bloß, die gute Frau? „A-P-F-E-L-S-A-F-T gespritzt!“ beteuern wir nochmals, geduldig und langsam und deutlich sprechend. Die Kellnerin, verwirrt aber aufmerksam, hört zu, hält Stift und Bestellblock unschlüssig in der Hand, überlegt dann kurz, nickt unsicher und geht ab in Richtung Küche. Hm. Seltsam. Wir sind uns nicht sicher, ob wir auch wirklich erhalten werden, was wir bestellt haben. Vor meinem geistigen Auge sehe ich uns sitzen vor einer großen Portion Reis und einer großen Portion Pommes. Ohne Lammspieß. Was aus dem Apfelsaft gespritzt werden wird, steht ebenfalls in den Sternen. Diese eigenartige Sequenz erinnert mich allerdings sehr an unser Lehrgangsthema (Kreatives Intervenieren), ja sie erscheint mir sogar eine hervorragende Ergänzung unseres bisherigen Seminarprogrammes zu sein. „Kreatives Intervenieren liegt immer jenseits des Vorhersehbaren, des Erwarteten!“, haben wir den KursteilnehmerInnen eben noch vermittelt. Et voila: hier haben wir unseren Satz in praktischer Umsetzung gleich mal selbst serviert bekommen, bzw. werden ihn wohl alsbald serviert bekommen: in Form von Reis und Pommes ohne Irgendwas. Ganz unerwartet und unvorhersehbar! Ja, wer rechnet denn damit, dass eine Kellnerin die auf der hauseigenen Speiskarte angebotenen Speisen nicht kennt bzw. mit Verstörung reagiert, wenn man dieselben bestellt? So gesehen war die ungewollte kreative Intervention der Kellnerin ein bravouröses Musterbeispiel. Damit fällt sie doch ganz eindeutig aus dem Rahmen des Gewohnten. Sorgt – so wie wir bei ihr - für Verunsicherung. „Verunsicherung, Unbehagen, Nervosität … alles Anzeichen dafür, dass man die Sicherheit des Alltäglichen hinter sich gelassen hat und einen Rahmen dafür schafft, Neues, Kreatives auszuprobieren.“ Ja, genau, das haben wir behauptet, das war unser Slogan. Nicht, dass ich in diesem Augenblick unbedingt so versessen darauf wäre, eben dies auch in die Tat umzusetzen. Ich habe absolut keine Lust, hier etwas Neues, Kreatives auszuprobieren. Meine Nervosität und mein Unbehagen steigen mit dem Knurren des Magens. Mit hungrigem Bauch ist das Kreativ sein gar nicht so lustig, finde ich, und blicke ungeduldig in Richtung Küche. Offenbar ist es eben nicht so, wie ich das manchmal gerne hätte: Dass Situationen mit kreativem Potential zu jedem Zeitpunkt ungemein viel Spaß machen. Manchmal entsteht der kreative Ansatz rein aus der Not heraus und nicht aus Lust am Neu-Erfinden. Auch die Lehrgangsteilnehmer hatten ja bis jetzt nicht durchgehend nur die pure Freude mit unseren dargebotenen Übungen. Ein „Etwas“ zu basteln war noch eine der einfachsten Übungen, aber das selbige Etwas dann den anderen TeilnehmerInnen nonverbal vermitteln zu müssen, erschien manchen schon deutlich schwerer. Der Sprache beraubt scheinen Missverständnisse vorprogrammiert. „Bin schon neugierig, was du wirklich damit gemeint hast“ sagte da ein Teilnehmer zum anderen. Solche Behauptungen rufen allerdings unweigerlich Walter aufs Programm: „Das können Sie nicht wissen! Nicht einmal, wenn es Ihnen mitgeteilt würde!“, meinte er und stellte damit eine Behauptung in den Raum, die Murren und Widerspruch hervorrief. Denn man sollte doch meinen, dass sich mit der Sprache vieles an Missverständnissen aus den Weg räumen lässt, oder? Wenn mir mein Gegenüber endlich erklärt, was dieses von ihm gebastelte Gebilde für ihn darstellt – mit Worten erklärt, wohlgemerkt – dann kenne ich mich doch aus. Nur: womit kenne ich mich dann aus? Mit dem, was dieses Ding für ihn bedeutet? Oder schlicht und einfach damit, was seine Erklärung in mir auslöst? Weiß ich dann, was der Betreffende in seinem Etwas sieht oder kenne ich lediglich meine Assoziationen dazu? Eine strittige Angelegenheit im Lehrgang. Und auch nichts Neues im Alltagsleben. Da sitze ich manchmal scheinbar stundenlang meinem Klienten gegenüber und erkläre und erkläre. Ich rede mir schier den Mund fusselig mit doch so einfachen Erklärungen, wie: „Wenn Sie mir diese und jene Unterlagen bringen, dann werde ich Ihnen helfen, diesen und jenen Antrag zu stellen!“ oder „Wenn Sie in diesem Monat ein Einkommen über 800,- Euro haben, dann besteht leider kein Anspruch auf Sozialhilfe!“ oder „Wenn Sie keine Teilbeträge bei Wien Energie einzahlen, dann müssen Sie damit rechnen, dass Gas und Strom abgesperrt wird!“. Klare Sätze. Durch und durch logisch. Für mich. Und doch kommt es vor, dass bei meinem Gegenüber daraufhin mehr Verwirrung als Erleuchtung ins Gesicht geschrieben steht. Beim einen Ohr hinein, beim anderen Ohr hinaus, denke ich dann an stressigen Tagen entnervt und bemühe mich redlich, mit „mehr desselben“ das Chaos einzudämmen. Was - wie mir im Zustand geistiger Entspanntheit völlig klar wäre – nur in den seltensten Fällen funktioniert. In den meisten Situationen reitet man sich ja mit „mehr desselben“ nur noch mehr in das Missverstehen hinein. (Sie können das gerne in Paul Watzlawicks Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ nochmals in aller Ruhe nachschlagen) Bei zunehmender Gereiztheit, bei zunehmendem Hunger oder sonstigem Unbill, das erleben wir doch (hoffentlich) alle mal, verblasst die Theorie gerne, die Abgeklärtheit sagt zum Abschied noch leise Servus und lässt einem mit seinen gereizten Emotionen im Trockenen sitzen. Toll. Ganz großartig. Super gemacht. So toll das Feld auch aufbereitet wäre für geniale oder weniger geniale kreative Interventionen – Verunsicherung, Verwirrung, Unbehagen… alles da, und trotzdem schnappt gerade auf diesem zum kreativen Säen bereiten Feld oft die Falle zu. Die hundertste Erklärung, Vorurteile, die sich gleich selbsterfüllend bestätigen, die eigene Brille, die wie angewachsen scheint, so als könnte ich mit jeder anderen keinen Zentimeter weit sehen… . Da sitze ich nun und frage mich: Warum um Himmels Willen will denn dieser Klient nicht und nicht verstehen? Oder: Warum kapieren die Trainer nicht, dass eine Erklärung mit Worten doch um einiges punktgenauer wäre als diese nonverbalen Deutungen? Und warum hat die Kellnerin mit so simplen Bestellungen ihre Schwierigkeiten? Warum, warum, warum .. und schwupp die wupp, trotz all der Schulbildung, trotz der sozialen Grundhaltung, die die Akademien und Fachhochschulen uns mehr oder weniger mitgegeben haben, trotz Helfersyndrom und dem Anspruch alles verstehen und erklären zu wollen, regrediere ich in das Trotzalter und stampfe innerlich auf wie das Rumpelstilzchen. Vielleicht passiert das ja nur mir: Situationen, in denen es nervt, daß nicht der übliche, gewohnte, einfache Weg sang und klanglos zum erwünschten Erfolg führt. Situationen, die möglicherweise wie geschaffen wären für all die tollen Methoden der systemischen Interventionskiste, nur daß diese Situationen jetzt grad eben völlig ungelegen kommen. Jetzt gerade soll bitte alles einfach und reibungslos so funktionieren wie immer. Keine Zeit für Scherze. Keine Lust auf Neues. Die Ohren sind auf taub gestellt, zudem befindet sich die systemische Wunderkiste im Augenblick völlig außer Sicht und der Schlüssel dazu ist auch irgendwo verlegt.
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Unsere Vereinszeitschrift BASYS erscheint zweimal pro Jahr und wird an alle Mitglieder des Vereins verschickt. Sie bringt neben den Vereinsnachrichten wie der Einladung zur General-versammlung und dem Protokoll der Generalversammlung aktuelles Vereinsgeschehen, Pläne und Ideen des Vorstandes und von Mitgliedern sowie einen Terminkalender, in dem die nächsten Termine der Arbeitsgruppen und Fortbildungstermine zu finden sind. Vor allem aber bringt sie Artikel zur systemischen Theorie und Praxis. Dieser Text und ein
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