Internationale Fachtagung

Integration
Rehabilitation
(Re)Sozialisierung

 

ASYS - ein 11,1-jähriges Jubiläum

Anneli Arnold

Ich begrüße sie im Namen des "Arbeitskreises für Systemische Sozialarbeit, Beratung und Supervision".

Als ich gebeten wurde hier im Namen des Vereins Sie zu begrüßen dachte ich mir: "Okay ich werde einfach erzählen, was es dort gibt", aber im Laufe der Beschäftigung mit dem Thema entstanden eher Fragen, die ich hier versuche zu beantworten.

  • Wozu dieser Verein?
  • Auf welche Fragen gibt es dort Antworten?
  • Was wäre denn, wenn es diesen Verein nicht geben würde?
  • Könnte das, was dort passiert, nicht auch irgendwie anders geschehen?
  • Inwiefern hat der Verein mit unserer Thematik hier zu tun?

Zur ersten Frage. Anfangs gab es schon 1990 den ersten Fortbildungslehrgang für Systemische Sozialarbeit hier in der damaligen Sozialakademie, die Walter Milowiz und ich entwickelten und durchführten. Uns begeisterte der damals relativ neue systemische Zugang zur Welt. Die Nachfrage zu dieser Art des Zugangs zur Sozialarbeit war groß, so dass wir mehrere Fortbildungslehrgänge anbieten und durchführen konnten. Wir haben offenbar die Lehrgangabsolventen mit unserer Begeisterung angesteckt, denn es gab von vielen die Frage "Wo bitte können wir unsere neuen Erkenntnisse und Sichtweisen austauschen und weiterentwickeln?". Als Lösung zu dieser Fragestellung wurde der Verein 1996 von Walter Milowiz und den Sozialarbeitern Bernhard Lehr und Ursula Mayer gegründet mit dem Ziel, systemisch Interessierte aus der Sozialarbeit und angrenzenden Bereichen die Möglichkeit zum Austausch und zur Weiterentwicklung des systemischen Denkens und professionellen systemischen Handelns anzubieten.

Seither sind schon mehr als 11 Jahre vergangen und es hat sich gezeigt, dass der Verein ein wichtiges Forum für Sozialarbeiter, die interessiert sind systemisch zu arbeiten, für den Austausch ihrer Erfahrungen, geworden ist.

Es gab ein auf und ab bei den Aktivitäten. Das Zehn - Jahres - Jubiläum haben wir schon hinter uns. Damals, vor etwas mehr als einem Jahr, entstand die Idee, doch auch mit einer Tagung zu feiern, was natürlich nicht sofort umsetzbar war. Umso mehr freuen wir uns, dass die Idee jetzt in die Tat umgesetzt werden konnte gemeinsam mit der Fachhochschule und der Volkshochschule Ottakring - und mit Unterstützung der EU.

Zurück zu unseren Fragestellungen. Was gibt es denn dort im Verein bzw. auf welche Fragen gibt es dort Antworten?

Es gibt Arbeitsgruppen, wo man die Praxis des systemischen Denkens in der Sozialarbeit, Supervision und Beratung reflektieren und überprüfen kann wie z.B. im Intervisionskreis "Kreative Lösungen".
Der Arbeitskreis "Große Systeme" befasst sich mit der herausfordenden Thematik der Interaktionen Einzelner versus Institutionen bzw. Gesellschaft.

Im "Literaturkreis" gibt es die Möglichkeit, die neuesten und interessantesten Bücher und Artikel zu besprechen und auf ihre Tauglichkeit für unsere Alltagspraxis zu überprüfen.

Es gibt auch einen "Reflecting Jour -Fixe", eine lösungsorientierte Gesprächsrunde zur Auseinandersetzung mit sozialen Phänomenen, wo auch Experten eingeladen sind.

Nach anfänglichen regen Zulauf flaute das Ganze, was die Teilnehmerzahl betrifft, etwas ab, ist aber in der letzten Zeit wieder zu vermehrter Aktivität erwacht und hat auch zu einem internationalen Austausch geführt.

Das heißt, dass es wichtig ist, einen Verein zu haben, von wo aus die Thematik des systemischen sozialarbeiterischen Tuns weitergeführt und erweitert werden kann - auch in Zeiten, wo das Interesse etwas weniger wird. Es kommen doch wieder Zeiten, wo plötzlich Neues entsteht. Ein Verein scheint einiges aushalten zu können, auch wenn die Interessen Einzelner nicht immer gleich bleibend sind.
Ich habe neulich wo gelesen, dass das Leben nichts anderes bedeutet als das Experimentieren mit den gegebenen Möglichkeiten. Das tut auch dieser Verein, denn dort geht es darum, neue Möglichkeiten zu finden und weiterzuentwickeln sowohl auf dem sozialarbeiterischen Feld als auch im Verein. Dadurch kommen wir manchmal auf ganz unmöglich ausschauende Lösungen, die dann doch realisierbar sind. Daher finde ich, dass es durchhaus sehr sinnvoll ist, dass es diesen Verein gibt.
In der letzten Zeit hat sich vieles getan: Es gibt Kontakte nach Deutschland, wo jetzt auch ein Verein für Systemische Sozialarbeit gegründet wurde.

Es gibt ein Projekt, eine EU-Lernpartnerschaft über Grundtvig2 mit der Fachhochschule hier, der VHS Ottakring, der Alfa-Beta-Picadilly-Sprachschule in Bozen und der Evangelischen Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg in Deutschland.

Unser erster Lehrgang für Supervision läuft gerade und ist schon in der Endphase. Die Arbeitschiene Lehrgänge wird in der Zukunft weiterlaufen, in Kooperation mit der Volkshochschule Ottakring.

Um herauszufinden wo, wann und was es gibt, können sie alle Informationen auf der Homepage des Verein finden, die Walter Milowiz ganz toll gestaltet hat.Auch Austausch von wichtigen Texten oder Buchbesprechungen sind dort zu finden. Aber auch in der Zeitschrift BASYS, die zweimal im Jahr erscheint und auch die Möglichkeit zur Veröffentlichung eigener Texte bietet.

Zurück zu unserer Fragestellung. Wenn es unseren Verein nicht gäbe, gäbe es auch nicht
diese Veranstaltung oder die vielen Aktivitäten, die doch die Möglichkeit bieten zur Veränderung von Haltungen und Arbeitsweisen. Es gibt meines Wissens in Österreich momentan keinen anderen Verein, der systemische Sozialarbeit zum Thema hat. Daher ist die Weiterentwicklung sowohl der theoretischen wie praktischen Arbeit auf diesem Gebiet auf unseren Verein konzentriert.

Die Thematik Integration, Rehabilitation und Resozialisierung hat uns in der letzten Zeit stark beschäftigt. Daraus ist die Idee zum Thema dieser Tagung entstanden mit der Hoffnung, dass es hier möglich wird, Neues zu entwickeln, das nachher weitergeführt werden kann.
So dass die Ideen wie Bazillen wirken und unsere leider sehr aktuelle Thematik neue Anstöße in der realen Welt, dort wo Sie leben und arbeiten, bekommt.

Die Realisierung der Idee war möglich durch das EU-Projekt in Kooperation mit der Fachhochschule und der Volkshochschule Ottakring, wie sie schon gehört haben. Ein Ziel dieser Tagung könnte es sein, Kontakte zu suchen so dass neue Interaktionsmöglichkeiten entstehen, die bei der Realisierung der Integration wohl am allernötigsten sind. "Gemeinsam sind wir stark" ist ein schon allzu oft benutzter Satz, trotzdem glaube ich, dass er immer noch gilt.

Ich wünsche uns allen eine produktive und lustvolle Zusammenarbeit. Möge es uns hier gelingen, neue Ideen in uns so einfließen zu lassen, dass unsere "alte Weisheit" etwas neue Nahrung bekommt.

 

 

 

 

 

Mit Unterstützung der EU/Grundtvig2