Internationale Fachtagung

Integration
Rehabilitation
(Re)Sozialisierung

 

Re-Sozialisation zum Frieden

Georg Wieländer

Um in diesem zweigeteilten Workshop in das Zentrum der Integrationsprozesse einer Konfliktregelung eintauchen zu können, möchte ich Sie als Reiseleiter dieses Workshops einladen, mir in die methodischen Landschaften des ATA-Landes zu folgen.Die Kunst des Konfliktregelns im Außergerichtlichen Tatausgleich versteht sich letztlich als das Finden einer gelungenen methodischen Mixtur aus 3 Grundzutaten:

  • systemischer Sozialarbeit
  • Mediation
  • sozialarbeiterischer Rechtspflege

Ich werde Sie weiters einladen, verschiedene Positionen im "Drama des Konfliktregelungsdreiecks" (Täter-Opfer-Mediator) einzunehmen.
Oft ist es auch notwendig, als KonfliktreglerIn ganz bewusst die Position der Triangulation einzunehmen, um so Konfliktlösungsprozesse zum Laufen zu bringen. Mit Hilfe der Anwendung des methodischen "DOPPELNS" (nach Thomann) gelingt es des Öfteren, Lösungen von verstrickten Beziehungskonflikten sehr nahe zu kommen.Der Außergerichtliche Tatausgleich (ATA) in Form der mediativ-sozialarbeiterischen Konfliktregelung im Verein NEUSTART hat sich in Österreich innerhalb der 22 Jahre seines Bestehens zu einem der wichtigsten Instrumente der restaurativen Strafrechtspflege etabliert.Zumeist ist es die Intention einer StaatsanwältIn/RichterIn - als StellvertreterIn der Gesellschaft fungierend - mit der Anordnung eines ATAs, die Wiederherstellung des "Sozialen Friedens" der konfliktbeteiligten Individuen zu ermöglichen, welcher durch die (Straf-)Tat" gestört war. Der eigentliche gesellschaftliche Auftrag an die SozialarbeiterInnen lautet daher:

"Restauration des Schadens und (Re-) Sozialisation zum FRIEDEN"

Im Vordergrund steht hierbei in erster Linie die Bearbeitung des "TAT-Konflikts", in zweiter Linie des eigentlichen "personalen Konflikts", für dessen Bearbeitung das Einverständnis der KlientInnen von den KonfliktreglerInnen erst einmal eingeholt werden muss; unabhängig davon, ob es sich hierbei um einen "Situativen Konflikt" oder einen Beziehungskonflikt wie z.B. in Familie, Nachbarschaft, Sozialem Nahbereich, Arbeit/Schule handelt.Es kommt immer wieder vor, dass die konfliktbeteiligten Tatverdächtigten und Tatgeschädigten ihren Konflikt zum Zeitpunkt der Bearbeitung im ATA bereits geregelt haben, oder den einstigen Eskalationsmustern ihres personalen Konflikts keine Bedeutung mehr zubilligen. Jedoch ist der "TAT-Konflikt", welchen die Gesellschaft mit dem tatverdächtigen Individuum durch den Normbruch hat, damit noch nicht bereinigt. Die Durchführung dieser Versöhnungs-Funktion zwischen Gesellschaft und Individuum wird dem Außergerichtlichen Tatausgleich vom Gericht recht erfolgreich übertragen.

Durch eine umfassende "Schadenswiedergutmachung" soll der angestrebte Friede zwischen dem "identifiziertem Täter" und dem "identifizierten Opfer" ermöglicht und die Reproduzierbarkeit von konflikteskalierendem Verhalten präventiv besprochen werden. Die einst - durch die polizeiliche Anzeige - delegierte Lösungsautonomie an den Staat, wird somit im Konfliktregelungsprozess des ATA den konfliktbeteiligten Individuen zurückgegeben. Dadurch erhalten diese nachträglich die einmalige Gelegenheit, den zum Zeitpunkt der Anzeige scheinbar unlösbaren Konflikt, mit Hilfe einer "2. Filmklappe" nunmehr autonom zu lösen. Eine konsequent am Frieden orientierte Gesellschaft hat letztlich durch die Implementierung des Instrumentariums "Außergerichtlicher Tatausgleich" eine systemische Funktionsinstanz geschaffen, welche sich für "Inklusions-/Integrationsprozesse" ihrer Individuen (Luhmann, 1995) verantwortlich zeigt. Nicht mehr die Angst vor der angedrohten Strafe, sondern die Chance, autonom die Verantwortung für die Lösungskompetenz eigener Konflikte übernehmen zu können, soll eine nachhaltige Einstellung für eine zukünftig friedliche Beilegung von Konflikten bewirken.

 

 

 

Mit Unterstützung der EU/Grundtvig2