Internationale Fachtagung

Integration
Rehabilitation
(Re)Sozialisierung

 

Workshop "Theorien und Vorannahmen zum Thema "Sozialisierung" in der Praxis"

Bernhard Ettenauer, Walter Milowiz, Christian Reininger, Hannes Ruttinger

Thesenpapier

Integration ist ein wechselseitiger Prozess gegenseitiger Akzeptanz zwischen einer Mehrheit und einem Teil, der als nicht "dazugehörig" erlebt wird und/oder sich als nicht "dazugehörig" erlebt. Nicht integriert zu sein ist eine Zuschreibung, die dann Bedeutung erlangt, wenn zumindest eine Partei an dieser Definition festhält und gleichzeitig damit ein Problem hat.
Integration ist dann gelungen, wenn durch eine Verhaltensänderungen zumindest einer Partei oder auch nur durch eine neue Beschreibung ein Konsens hergestellt werden kann, bei dem die Unterscheidung in "dazugehörig und nicht dazugehörig" nicht mehr Thema ist.

Aus konstruktivistischer Sicht kann man den Menschen wie auch die Gesellschaft nur als autopoietische System sehen, die nicht instruiert und nicht gezielt gesteuert werden können. Sie machen sich ihre Erfahrungen selbst und reagieren dementsprechend. Aufgrund unterschiedlicher (Vor-)Erfahrungen werden Sinneseindrücke individuell unterschiedlich verarbeitet und somit eine je eigene Wirklichkeit konstruiert. Ob ein Angebot passend ist oder nicht, muss daher stets am Einzelfall überprüft werden und dieses gegebenenfalls auf die Wirklichkeit des Individuums abgestimmt werden. Darüberhinaus kann man vielleicht auf Situationen förderlich einwirken, die "Sozialisierung" kann aber nur das betroffene System selbst durchführen (sie muss "passieren"): Die Idee Menschen oder größere soziale Systeme instruktiv steuern zu können wird durch die Theorie der Autopiese in Frage gestellt.

Die systemische Sozialarbeit richtet ihren Blick auf Kommunikation, verstanden als jeglichen menschlichen Austausch. Watzlawick meint: "Man kann nicht nicht kommunizieren!" Wir sind laufend in Interaktion. So wie sich Probleme in Wechselwirkung aufrechterhalten, können sie sich auch umgekehrt auflösen, wenn sich ein Element bedeutungsvoll verändert. In diesem Sinne kann Integration durch positive Rückkopplungsprozesse stattfinden, die zu einer Annäherung führen. Als Auslöser für diese Veränderungsschleifen können unterschiedlichste Elemente (Sprache, Geld, Aussehen, Fähigkeiten) auf unterschiedlichen Ebenen (Individuum, Gruppe, Organisation, Gesellschaft) fungieren und weitere Veränderungen nach sich ziehen. Wenn eine Intervention an einer Stelle nicht mehr möglich scheint, ist es wichtig dass von einer ganz anderen Stelle aus Interventionen versucht werden können.

Für eine Rechtfertigung sozialer Arbeit ist es nötig, die Bedeutung der eigenen Tätigkeit für die Gesellschaft bzw. für den Geldgeber gut anzupreisen. Dazu wird meist zunächst einmal, dann aber auch weiter fortlaufend (um das Bestehen der Einrichtung zu sichern) eine Gruppe per Definition von der Gesellschaft als abgegrenzt und damit als nicht integriert beschrieben bzw. werden vorherrschende ausschließende Definitionen übernommen. Man schafft oder bestätigt also die Abgrenzung, während man gleichzeitig versucht diese Desintegration durch die eigentliche Arbeit zu überwinden. In diesen Widerspruch fließt viel Energie, die dann für die direkte Arbeit an der Integration fehlt.

 

 

 

Mit Unterstützung der EU/Grundtvig2

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