Vanille-willenlos
Uli Winters über früh gelernte Geruchs-Assoziationen

Die geheimnisvolle Macht der Gerüche ist dafür verantwortlich, dass ich heute weder in Teeläden noch in indische
Supermärkte einen Fuß setze – und nie mehr während der Zistrosenblüte in Portugal Urlaub machen werde.

Falls ich eines Tages von feindlichen Spionen entführt werden
sollte, die mich zum Ausplaudern streng geheimer Informationen
bewegen wollen, habe ich für sie einen brandheißen Tipp:
Man zünde ein Büschel portugiesischer Zistrosen an, lösche sie
mit Vanilletee ab und träufele dann ein wenig Patschuliöl in die
Glut – und schon gerät Agent Null-Null-Winters in einen Zustand
hilfloser Verzückung,
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Durch kreatives Intervenieren zum Sis Kebab
von R. Fischer

Mittagspause in einem türkischen Lokal. Walter und ich bestellen „sis kebab“, Lammspieß.
Die junge Kellnerin nickt. „Aber bitte einmal mit Pommes frites anstatt mit Reis.“
Seltsamer Weise scheint das die Kellnerin zu verwirren.
„Einmal Pommes frites?“ Sie klingt zögerlich. „Ja!“, nicken wir bekräftigend, „und die andere Portion mit Reis, bitte.“ Jetzt wirkt sie wieder erleichtert und fasst mit fester Stimme zusammen: „Einmal Pommes frites, einmal Reis!“ „Ja. Und dazu, wie gesagt: Lammspieß!“ 
„Lammspieß???“ Ratlosigkeit macht sich in ihrem Gesicht breit.
Und ich frage mich insgeheim, seit wann es so schwierig ist, in diesem türkischen Lokal Lammspieß mit Pommes bzw. Reis zu bestellen. weiterlesen...

Die Absolution der Flüchtigen
von E. Ivancsits

Die Vorgeschichte:
Frau M. (37 a) ist mit ihren Töchtern Istia (16 a) und Mura (12 a) drei Wochen nach dem tödlichen Verkehrsunfall ihres Lebensgefährten, Herrn R. ins Flüchtlingsheim der Caritas in Neudörfl gekommen. Die Familie stammt aus Bosnien und ist seit ca. fünf Jahren in Österreich. Frau M. und Istia, die Tochter aus erster Ehe, sind Christinnen, Mura ist nach ihrem Vater moslemisch. Die Religionszugehörigkeit spielt in Bosnien nach wie vor eine sehr große Rolle. Die Beziehung von Frau M. zu Herrn R. wurde von ihrer Familie nie gut geheißen. Auf der anderen Seite fand Frau M. aber auch nie richtig herzlichen Kontakt zu der Familie des Lebensgefährten. Frau M. hat sich, kurz nach der Geburt ihrer ersten Tochter von ihrem damaligen Ehemann scheiden lassen, da dieser an schweren Depressionen litt, und Frau M. damit nicht klar kam (laut ihren Aussagen). Kurze Zeit nach ihrer Trennung, beging der Mann Selbstmord. Ca. drei Jahre später lernte sie Herrn R. kennen. Als die gemeinsame Tochter Mura knapp 4 Jahre war, verließ Herr R. seine Familie um als Gastarbeiter nach Österreich zu gehen.
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Systemisches Denken und die Polizei
von V. Spannring

Die Zusammenarbeit zwischen dem Schlupfhaus und der Polizei war von Anfang an nicht sehr gut. Wir hatten das Bild von einer Polizei, die für die Jugendlichen nachteilig arbeitet, bei Vernehmungen Kompetenzen überschreitet, im Umgang mit Jugendlichen überfordert ist und der Einrichtung Schlupfhaus gegenüber mißtrauisch ist.
Wir vermuteten, daß die Polizei von uns glaubte, daß wir aus Prinzip gegen sie arbeiten, daß wir Ihnen Informationen, die ihnen zustehen, vorenthalten und daß wir Jugendliche vor ihnen schützen, auch wenn es nicht gerechtfertigt ist. Auf dieser Basis konnte die Zusammenarbeit nicht funktionieren. Beide Seiten waren hoch sensibilisiert und manchmal fielen die Unstimmigkeiten auch auf die Jugendlichen zurück.

Das änderte sich durch ein Schlüsselerlebnis in der systemischen Aufstellung:

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Über die Dinge
Nachgedanken zur Lektüre des Buches "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners" von Heinz v. Foerster.
von W. Milowiz

Als Kind habe ich gelernt, daß Hauptwörter groß geschrieben werden. Und Hauptwörter seien alles, worauf man zeigen könne. Z.B. ein Apfel. Du zeigst auf ihn, und wenn ich es noch nicht kapiere, führst Du meine Hände an seinen Grenzen entlang: Alles, was innerhalb dieser Grenzen liegt, gehört zum Apfel, ist "Apfel". So, wie mein Bein "Ich" ist. Auch der Kern ist "Apfel". Deswegen heißt er Apfelkern.

Wenn ich aber im Apfel einen Wurm finde, dann ist der Wurm nicht "Apfel" (obwohl’s ein Apfelwurm ist!). Wieso ich das weiß? Das hat mir meine Mama gesagt, als ich den ersten Wurm im Apfel gefunden habe. Irgendwelche Leute haben miteinander ausgemacht, daß der Wurm nicht zum Apfel gehört. Die können allerdings nicht meine Hand an der Apfelgrenze entlang führen, weil das Wurmloch zu klein ist. Sie müssen mir erst den Wurm zeigen, und extra dazu sagen: "Der gehört nicht dazu!" Brav, wie ich war, habe ich beim nächsten Mal gesagt: "Dhört nicht azu!"

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