Der Blumenliebhaber
von R. Fischer


Herr M. war ca. 50 Jahre alt, als ich ihn kennenlernte. Geschieden und von seinen Mitmenschen und dem Leben generell enttäuscht, lebte er seit Jahren alleine. Obwohl er eine gute Allgemeinbildung hatte, war er bereits viele Monate arbeitslos.

Zu mir kam er, weil er sich mit seinen Zahlungen nicht mehr zurechtfand. Trotz seinen geringen Einkommens schienen seine Schwierigkeiten aber nicht durch Armut oder größere Verschuldung verursacht. Vielmehr hatte Herr M. Probleme mit seinem Umfeld. Er schaffte es kaum, ein Amt auch nur zu betreten, dazu bedurfte es der Absolvierung vielfältiger Rituale seinerseits. Beim Verlassen eines Gebäudes war es nahezu das gleiche. Denn war er endlich mal drinnen, so brachte er sein Anliegen sehr umständlich vor und fand kaum ein Ende. Durch sein kompliziertes Verhalten kam es immer wieder zu Missverständnissen im Umgang mit Behörden und daraus wiederum resultierten zu spät eingezahlte Rechnungen und vieles mehr.

Lange Zeit drehte sich unser Gespräch um all die Dinge, die ihm Schwierigkeiten bereiteten. Und nichts schien diesen Kreislauf durchbrechen zu können - bis sein Blick auf eine Vase mit Rosen fiel, die in meinem Zimmer stand.

Zugegeben, diese Rosen sahen wirklich schon sehr jämmerlich aus. Herr M. schüttelte den Kopf und erklärte mir, wie Schnittblumen zu behandeln seien, insbesondere Rosen. Damit kannte er sich aus. Eindeutig, Blumen waren ein Spezialgebiet von ihm. Er erzählte mir wie es dazu gekommen war und nach nur wenigen Minuten stellte sich heraus, dass er noch eine - für seine momentane Problematik höchst wertvolle - Gabe besaß:

Er konnte Geschichten erzählen. Spannende, amüsante, interessante, lehrreiche Geschichten aus seinem Leben.

Als ich ihn darauf aufmerksam machte, wie spannend ich seine Erzählungen fand, fielen ihm in relativ kurzer Zeit einige Begebenheiten ein, bei denen er es geschafft hatte, so mit seiner Umwelt leichter in Kontakt zu treten - trotz seiner schwierigen, neurotischen Art. Auf diese Weise gelang es ihm, nicht zu vereinsamen. Und vielleicht würde er sich diese Fähigkeit künftig auch für den Umgang mit Ämtern und Behörden zu Nutzen machen können.

Unsere Vereinszeitschrift BASYS erscheint zweimal pro Jahr und wird an alle Mitglieder des Vereins verschickt.

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