Intervention bei der Gendarmerie
Renate Pokorny

Immer wieder kommt es vor, daß man als Bewährungshelfer mit der Situation konfrontiert wird, daß Klienten angeben, darunter zu leiden, von der Gendarmerie unkorrekt behandelt zu werden (ähnliches passiert auch manchmal bei Vorsprachen auf Sozialämtern, bzw. anderen Behörden). Im Falle der Gendarmerie ist dies besonders unangenehm, weil unsere Klienten - da sie ja "Täter" sind - meist von vornherein kein besonders gutes oder entspanntes Verhältnis zur Gendarmerie haben.

Auch bei meiner Klientin D. war das der Fall, sie wurde bei Besuchen der Gendarmerie ziemlich überrumpelt und eingeschüchtert. In der Folge suchte ich den betreffenden Gendarmerie-posten-kommandanten auf, um mit ihm über die Angelegenheit zu sprechen, in der Absicht, meiner Klientin für kommende Gendarmeriekontakte (die zu erwarten waren, da Ermittlungen liefen) eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen (zusätzlich habe ich sie über ihre rechtliche Situation aufgeklärt und mit ihr erarbeitet, wie sie diese besser einfordern kann). Gleich nach der Begrüßung, und nachdem ich mich vorgestellt hatte, versicherte ich dem Gendarmeriekommandanten, daß ich überzeugt wie, daß er hier, wie sonst sicher auch oft, eine sehr schwierige Aufgabe zu erfüllen habe. Von dieser Tatsache bin ich auch wirklich überzeugt. Obwohl ich natürlich wegen meiner Klientin hier sei, denke ich doch, schloß ich an, daß wir insofern ein gemeinsames und wichtiges Ziel mit unserer Arbeit verfolgen, als wir beide - im staatlichen Auftrag - daran interessiert seien Kriminalität zu verhindern - er durch deren Bekämpfung, und ich durch meine Betreuung.

Dann ging ich auf das Problem meiner Klientin ein, die offensichtlich mit der Art wie die letzte Einvernahme ablief sehr überfordert gewesen sei, und dies ja auch für die Ermittlungen nicht günstig sei. Da ich mit großer Höflichkeit und Überzeugung auftreten konnte, war auch der Postenkommandant sehr höflich zu mir, obwohl er sich über meinen Besuch sicher nicht sehr freute (ich ja auch nicht) und da ich seine berufliche Kompetenz so direkt und positiv ansprach gelang es ihm spantan auch nicht, die meinige in Frage zu stellen. Jedenfalls konnten wir uns wirklich auf ein weiteres Vorgehen einigen, das zur allseitigen Zufriedenheit mit zu einer besseren Situation beitrug, sowohl für meine Klientin D., wie für mich und auch für die Gendarmerie.

Bei der nächsten Einvernahme meiner Klientin durfte ich anwesend sein, das trug für sie dazu bei, sich etwas weniger ausgeliefert zu fühlen, ich hatte die Sicherheit, daß alles korrekt zuging, und der einvernehmende Gendarm war sehr sachlich und höflich, ja er bewies zunehmend Verständnis für ihre Lage (es passieren ihr immer wieder "zwanghafte" Diebstähle), und außerdem ersparte sich der Postenkommandant, extra eine weibliche Kollegin von auswärts hinzuzuziehen, wie dies sonst vorgeschrieben gewesen wäre. (Abseits meiner erfolgreichen Intervention war sie in der Folge noch wichtige Zeugin bei einem Verkehrsunfall und hat inzwischen ein ungewöhnlich entspanntes Verhältnis zur Gendarmerie - sie kennt ja schon alle, auch sie ist bekannt, nun auch in einer positiven Rolle - wenn man sie nun sehr selbstbewußt mit Gendarmen reden hört, könnte man meinen, sie unterhält sich mit einem Nachbarn oder Kollegen, so wenig Spannung und Angst ist dabei mehr bemerkbar).

Hier ist noch hinzuzufügen, daß dieser Ablauf der Intervention nicht nur bei meiner Klientin D. und auf diesem Gendarmerieposten gute Erfolge brachte, sondern daß ein solches Verhalten in ähnlichen Situationen ähnlich gute Erfolge bringt, eine Erfahrung, die auch von anderen Kollegen der Bewährungshilfe geteilt wird.

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