Systemische Sozialarbeit

 

Die Entwicklung der systemischen Therapieansätze in den siebziger Jahren zeigte, dass Probleme und ungewöhnliches Verhalten verständlich und begreifbar wird, wenn man es in den sozialen Kontext stellt, in dem es entstanden ist und in dem es sich aufrecht erhält.

Die Familientherapeuten hatten begonnen, indem sie ein „gestörtes“ Individuum im Kontext seiner nächsten Verwandten betrachteten. Sie behandelten dann nicht das Individuum, sondern sie versuchten, eine Veränderung herbeizuführen in der Art, wie die Familie miteinander umging.

Dann stellte man fest, dass auch die Kernfamilie nicht ausreichte, um alles zu verstehen: Oft warf die Betrachtung der weiteren Familie (inklusive Großeltern etc.) ein neues, erhellendes Licht auf die Geschehnisse.

Und dann wurden auch noch andere Bezugspersonen mit einbezogen: Lehrer, Sozialarbeiter, Ärzte, Chefs etc.

Von hier war der Schritt nicht groß, zu bedenken, dass das Verhalten eines Einzelnen – ob auffällig oder nicht – immer nur im Kontext seiner Lebenswelt entstehen, sich aufrechterhalten und verändern kann: Im Zusammenhang mit dem Verhalten seiner Umgebung, mit der Reaktion der Institutionen, der Nachbarn, der Polizei und allen, die sonst noch in irgendeiner Weise damit zu tun haben.

Die Systemische Sozialarbeit ist die logische Folgerung aus dieser Feststellung.

W. Milowiz

 

Wenn eine besondere Form der Kommunikation - nämlich die mit dem Helfer -

dazu führen kann, dass das „Problem“ vergeht,

dann kann das nichts anderes bedeuten, als dass die bis dahin stattgefundene

„gewöhnliche“ Kommunikation entscheidend daran beteiligt war,

das „Problem“ aufrecht­zuerhalten.

Daher sollten wir uns zuallererst und vor allem mit der Frage befassen,

wie wir mithelfen, Probleme zu erhalten.