Wie unsere Welt im Tun entsteht
Symposion für Menschen in sozialen und pädagogischen Berufen sowie Gesundheitsberufen
Freitag, 10. bis Samstag, 11.September 2027
VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien
Wird das Verhalten eines Menschen als auffällig beschrieben, richten wir dann unsere Aufmerksamkeit auf gestörte biologische Prozesse oder soziale Konflikte, auf das Individuum oder seine soziale Einbettung? Auf unsere eigene Beteiligung an problemerhaltender Kommunikation? Werden medizinische Lösungen gesucht, oder umgekehrt die Bedeutung körperlicher Prozesse unterschätzt?
Die aktuell spannendsten systemischen Forschungsansätze beschäftigen sich mit dem „Zusammendenken“ systemischer Kommunikationstheorie und (neuro-)biologischen Verarbeitungsprozessen.
Das Symposion hat sich zum Ziel gesetzt, diese Forschungsansätze entlang folgender Fragen in Beziehung zu setzen:
- Wie wird Kommunikation biologisch verarbeitet, und wie entsteht daraus menschliches Verhalten?
- Wie lässt sich der Mensch in seinem permanenten Wechselspiel zwischen körperlichen und sozialen Prozessen, quasi „soziosomatisch“ verstehen?
- Wie können wir mit einem solchen Verständnis Interventionen entwickeln, die gezielt die soziale wie biologische Ebene ansteuern?
Miriam Kyselo beschäftigt sich philosophisch mit dem relationalen Selbst, das auf körperlicher Grundlage im sozialen Tun entsteht. Walter Milowiz zeichnet in seinem Vortrag nach, wie neurologische Prozesse und soziale Interaktionen ineinandergreifen. Konkretisiert wird dies von Judith Daniels anhand des Phänomens der sekundären Traumatisierung. Mit den Wechselwirkungen von Körper und Gesellschaft/Politik befasst sich Hedwig Wagner.
Nach jedem Vortrag wird in moderierten Kleingruppen das Gehörte mit eigenen Denkmodellen und beruflichen Erfahrungen in Verbindung gebracht, um daraus Ideen für das eigene Arbeitsfeld zu entwickeln.
Freitagabend feiern wir das 40-jährige Bestehen der Fachzeitschrift „systeme“. Dazu lädt die ÖAS als Herausgeberin der Zeitschrift zur Jubiläumsfeier (Ort wird noch bekanntgegeben).
Als Abschluss der Veranstaltung werden mittels Improvisationstheater – geleitet von Klaus Wögerer – die Ergebnisse verdichtet.
Freitag
10.00 – 10.30 Uhr: Einleitung
(Arbeitstitel)
12.15 – 13.30 Uhr: Moderierte Workshops
13.30 – 14.30 Uhr: Mittagspause
Jedes (Sub-)System kann nur fortbestehen, wenn es auf verändernde Einflüsse in einer Weise reagiert, die seine eigene Organisation erhält. Im Nervensystem kann dies als Aktivierung, Reaktion und Entlastung beschrieben werden: Was zu einer Entlastung führt, wird gelernt und stabilisiert. Problematisch wird diese Dynamik dort, wo einzelne Teile eines Systems sich erfolgreich entlasten, dadurch aber andere Teile stärker belastet werden. Der Vortrag untersucht dieses Spannungsverhältnis zwischen lokaler Entlastung und globaler Regulation und fragt danach, wann aus funktionierender Regulation – auf innerpsychischer, interaktioneller wie gesellschaftlicher Ebene – eskalierende Dynamiken entstehen.
16.15 – 17.30 Uhr: Moderierte Workshops
Ab 18.00 Uhr: Fest
Samstag
Die Arbeit mit traumatisierten Menschen kann zu einer spezifischen Belastung bei Fachkräften der psychosozialen Versorgung führen, der sogenannten sekundären Traumatisierung. Dieser Vortrag beleuchtet, wie ein traumatisches Erlebnis sowohl in den Körper traumatisierter Menschen als auch in den der Helfenden einwirken kann. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf möglichen Risikofaktoren und Schutzmaßnahmen vor sekundärer Traumatisierung.
10.45 – 12.00 Uhr: Moderierte Workshops
12.00 – 13.00 Uhr: Mittagspause
(Arbeitstitel)
14.45 – 16.00 Uhr: Moderierte Workshops
Zusammenspiel und Abschluss mit Improvisationstheater
Kosten
Frühbucher*innenbonus bis Ende Februar 2027: EUR 290.–; EUR 260.– (für ASYS bzw. ÖAS-Mitglieder und für Mitarbeitende der Wiener Volkshochschulen)
Ab März 2027: EUR 320.–; EUR 290.– (für ASYS bzw. ÖAS-Mitglieder und für Mitarbeitende der Wiener Volkshochschulen)
Die Teilnahmegebühr umfasst: Vorträge und Workshops; an beiden Tagen Kaffee, Getränke, Obst und Lunchpaket, sowie Freitag abends ein Fest. Nach Anmeldung erhalten Sie eine Rechnung. Danach haben Sie 14 Tage Zeit für die Überweisung der Tagungsgebühr. Es gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Wiener Volkshochschulen.
Anmeldung
Anmeldungen demnächst möglich!
Veranstalter:innen
Arbeitskreis für Systemische Sozialarbeit, Supervision und Beratung (ASYS) und die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Systemische Therapie und Systemische Studien (ÖAS) in Kooperation mit der Volkshochschule Ottakring anlässlich 30 Jahre ASYS sowie 40 Jahre der von der ÖAS herausgegebenen Zeitschrift „systeme“.
Programmgestaltung
Dr.in Michaela Judy; Mag.a Michaela Mühl; DSA Christian Reininger, MSc; Mag.ª Lieselotte Ulrike De Saedeleer, MAS; Mag. Klaus Schmidsberger.
Die Impulsgeber*innen
ist Psychologin und forscht an der Universität Groningen u.a. zur sekundären Traumatisierung. Sie leitet das Fortbildungsinstitut für Sekundärtraumatisierung und gibt seit vielen Jahren Präventionsseminare zu diesem Thema.
Link: https://www.rug.nl/staff/j.k.daniels/cv?lang=en
ist Gruppendynamiktrainer, Supervisor und Psychotherapeut (ÖAGG, ÖVS, ASYS), Gründer und bis 2024 Generalsekretär von ASYS. Beschäftigt sich als Autor und Lehrender seit über 50 Jahren mit Neurobiologie sowie den epistemologischen Grundlagen systemischen Denkens und Handelns.
Link: www.asys.ac.at/walter.milowiz