ASYS Wiener Schule

Systemische Theorie der Sozialen Arbeit

Wir von ASYS bezeichnen die von uns entwickelte systemische Theorie als die Wiener Schule (der systemischen Sozialarbeit/Sozialen Arbeit). In der Wiener Schule des systemischen Denkens beschäftigen wir uns nicht mit Funktionssystemen wie die systemtheoretische Soziologie, sondern mit Interaktionssystemen und deren zirkulärer Selbstreproduktion.

Solche Interaktionssysteme unterscheiden sich von den Luhmannschen Funktionssystemen dadurch, dass

  • sie sich und ihre Grenzen nicht selbst definieren, sondern von dem definiert werden, der sich gerade mit ihnen befasst,
  • sie nicht aus Kommunikationen im Sinne von Luhmann, also aus als Mitteilung vorgesehenen Aktionen, bestehen, sondern aus allen Interaktionen, d.h., aus digitaler und analoger Kommunikation im Watzlawick’schen Sinn, und
  • dass sie gegebenenfalls auch quer über die Grenzen Luhmannscher Systeme hinweg stattfinden können.

Für Interaktionssysteme gilt der Watzlawick’sche Lehrsatz, dass man nicht nicht kommunizieren kann; und weiters gilt, dass sie aus Handlungen bestehen, die sich gegenseitig zirkulär bedingen: Jede Handlung hat Wirkung auf ihre Umgebung und damit auf die Handlungen in der Umgebung. Und diese Handlungen in der Umgebung wiederum wirken zurück auf den oder die, die die ursprüngliche Handlung gesetzt hatten, und deren weitere Handlungen. Damit schließt sich der Kreis, der im einfachen Fall als Rückkoppelung und, wenn es komplizierter wird, als Zirkularität bezeichnet wird.

Walter Milowiz und die Vereinsmitglieder von ASYS sind die Entwickler*innen und Praxiserprober*innen dieser systemischen Theorie der Sozialen Arbeit, die auf dem konstruktivistischen Ansatz und der systemischen Theorie basiert.

Sozialarbeit bzw. Soziale Arbeit ist die Arbeit an Außenseiter*innenentwicklungen bzw. an Konflikten zwischen Menschen, denen es „schlecht geht“, und den übrigen. Der Auftrag für die Bearbeitung dieser Konflikte (z.B. Jugendwohlfahrt, Bewährungshilfe, Arbeitsintegration) kommt von der Gesellschaft, also von Allen – von der Gesamtheit. Die Ausführung übernimmt entweder der Staat direkt (z.B. bei hoheitlichen Aufgaben) oder die Aufgaben werden delegiert/vergeben an Einrichtung, Organisation, Unternehmen der Sozialen Arbeit. (vgl. Milowiz 2009: 92f)

Die Außenseiter*innenentwicklung ist ein Phänomen, bei dem eine Person oder Gruppe in Konflikt/Auseinandersetzung mit Anderen/dem Rest steht. Diese Konflikte sind zudem gekennzeichnet durch Eskalation und Dysfunktionalität. Ein „Pin-Pong-Spiel“ ist die Folge, das immer festgefahrener wird. Solche Dynamiken beschreibt Milowiz als Teufelskreise. (vgl. Milowiz 2010b: o.S.)

Foto: Walter Milowiz

Die Theorie der Wiener Schule ist ebenfalls anwendbar in den Feldern der Pädagogik, Medizin, Beratung, Supervision & Coaching, Personalentwicklung u.a.

Es geht darum, in einen Teufelskreis machbare Änderungen einzuführen, die weitere Änderungen zur Folge haben. Und machbar sind natürlich zunächst solche Änderungen, die man selbst machen kann …

Milowiz, Walter (2009): Teufelskreis und Lebensweg. Systemisch denken im sozialen Feld. S. 4